Die Amish -

"Gegen das Fehlen von Kindern in Mitteleuropa kann man doch nichts machen. Und das Christentum stirbt auch aus. Das ist nun mal der Lauf der Dinge.", solche und ähnliche Sätze haben Sie sicherlich schon oft gehört. Aber stimmen sie auch? Vor knapp 500 Jahren entstand als Folge der Reformation in der Schweiz auch die Täuferbewegung. Gegen teilweise brutale Verfolgungen entstanden quer durch Europa zahlreiche Traditionen wie die Baptisten, die Hutterer und - im Gebiet des heutigen Elsaß, von Süddeutschland und der Schweiz - im 17. Jahrhundert auch die Amischen. Während ihre Gemeinden auf dem alten Kontinent zerrieben wurden gelang wenigen Tausend von ihnen die Auswanderung in die USA.

Und längst widerlegen die Old Order Amish alle eingangs genannten Sätze: Aus gerade einmal 5.000 Menschen um 19 Uhr sind derzeit rund 250.000 Köpfe geworden! Aufgrund ihres Kinderreichtums und der hohen Zahl der Nachkommen, die sich ebenfalls für die Erwachsenentaufe entscheiden, verdoppeln sie sich etwa alle 20 Jahre - und sind damit zu einer der am schnellsten wachsenden Religionsgemeinschaften der USA geworden. Lange als "dumb Germans - dumme Deutsche" verspottet, haben sie sich inzwischen Respekt, ja Bewunderung erworben. Derzeit gründen sie alle dreieinhalb Wochen in Nordamerika eine neue Gemeinde - Tendenz weiter steigend!
 
Doch für die Verkitschung der Amish besteht auch kein Anlass: Sie sind Menschen wie wir und müssen sich Veränderungen, Herausforderungen, Problemen und Konflikten genauso stellen wie jede andere Religionsgemeinschaft auch. Gerade aber deswegen können wir auch voneinander lernen - wir Menschen sind eben nicht passiv der Geschichte ausgeliefert, sondern können sie aktiv gestalten.
 
Im sciebook "Die Amish - Ihre Geschichte, ihr Leben und ihr Erfolg" stellt der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume die Glaubenstradition und Kultur der Menschen vor, die bis heute einen deutschen Dialekt sprechen - und uns manches zu sagen haben.

Blogpost von Zehra Blume  – 28. August 2012 um 13:16 Uhr